SKN- Pilotprojekt StäB schreibt Erfolgsgeschichte
Wie eine neue psychosomatische und psychiatrische Behandlung zum Modellprojekt wird
- Erfolgreiche Bilanz nach einem Jahr „Stationsäquivalente Behandlung“
- Patienten in psychischen Krisen oder mit psychischen Erkrankungen profitieren von Begleitung im häuslichen Umfeld
- Multiprofessionelles Team unterstützt mit Hausbesuchen, individuellen Therapien und Netzwerkarbeit
Die Sana Kliniken Niederlausitz setzen neue Maßstäbe in der Betreuung von Menschen in psychischen Krisen: Mit der Stationsäquivalenten Behandlung (StäB) ist dem Senftenberger Zentrum für Psychosoziale Gesundheit die professionelle Unterstützung von Patienten durch ein interdisziplinäres Team im häuslichen Umfeld gelungen. Bereits im ersten Jahr hat das Pilotprojekt eine Erfolgsgeschichte geschrieben – mit sichtbaren Vorteilen für die Betroffenen.
Angst und Panik, Depression, Verwirrtheit oder Wahnvorstellungen: Akute seelische Notlagen haben oft viele Gesichter. In den meisten Fällen stellen solche psychischen Krisen das komplette Leben der Betroffenen auf den Kopf. Das Team im Zentrum für Psychosoziale Gesundheit (ZfPG) der Sana Kliniken Niederlausitz ist spezialisiert darauf, Menschen in solchen psychischen Ausnahmezuständen zu unterstützen. Mit der Etablierung der Stationsäquivalenten Behandlung können die Profis nun ausgewählte Patienten alltagsnah begleiten und die Versorgung gezielt darauf ausrichten, was die Betroffenen in ihrem gewohnten Umfeld brauchen.
Das Team der Stationsäquivalenten Behandlung (StäB) begleitet Patienten in ihrem vertrauten Umfeld. Download und Copyright
Kontinuität im Umfeld und in Beziehungen
„Patienten, die schwerer psychisch erkrankt sind und eigentlich eine stationäre Krankenhausbehandlung benötigen, können durch das multiprofessionelle Team aus Ärzten, Pflegekräften, Sozialarbeitern und Ergotherapeuten in ihrem häuslichen Umfeld behandelt werden. Damit wird die wichtige Kontinuität im Wohnumfeld und den sozialen Beziehungen aufrechterhalten“, erklärt Dr. Karsten Wolff, Chefarzt des Zentrums für Psychosoziale Gesundheit, den besonderen Wert dieser neuen Behandlungsform.
Unterstützung im Alltag
Mit Unterstützung des StäB-Teams können die praktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Betroffenen im Alltag gestärkt und trainiert werden. „Wir können gezielt schauen, was der Patient zu Hause braucht und die Problembewältigung im Alltag üben“, erläutert Isabell Fink, die gemeinsam mit Kay Marschner die Station leitet. Sie bilden mit anderen speziell geschulten Pflegeprofis, Ärzten, Therapeuten und Sozialarbeitern das multiprofessionelle StäB-Team. „Jeder Patient bekommt täglich zu Hause einen Besuch durch die Mitarbeitenden. Außerdem erhalten die Patienten wöchentlich Visiten und Ergotherapie“, erklärt Kay Marschner das Konzept, das auf eine ganzheitliche Betreuung ausgerichtet ist.
Rund 50 Patienten begleitet
StäB ist in erster Linie für Patienten gedacht, für die aus verschiedenen Gründen ein stationärer Aufenthalt nicht infrage kommt – weil sie beispielsweise zu Hause Kinder oder Eltern betreuen oder ein hohes Schamgefühl haben. Die Patienten werden vorrangig zur Verkürzung oder Vermeidung eines stationären Aufenthalts im Krankenhaus oder über die Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) Senftenberg in die StäB überwiesen. Ob diese Form der Behandlung für den jeweiligen Patienten geeignet ist, wird individuell im Team entschieden. Denn damit das Konzept wirken kann, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein: So müssen die Patienten zu Hause einen privaten Raum haben, in dem Gespräche unter vier Augen möglich sind. Außerdem ist der Rückhalt durch die Angehörigen, die im Haushalt leben, wichtig. Aktuell erfolgt eine Betreuung in und rund um Senftenberg, eine Ausweitung nach Lauchhammer ist geplant. Seit dem Start des Projektes im Oktober 2024 wurden rund 50 Patientenfälle begleitet. Der Bedarf an diesem besonderen Behandlungskonzept ist nach wie vor groß.
Starkes Netzwerk
„StäB ist als Pilotprojekt gestartet. Nach einem Jahr hat sich unsere Hoffnung bestätigt, dass stationäre Aufenthalte damit verkürzt oder sogar vermieden werden können“, betont die Stationsleiterin und fügt hinzu: „Ein weiterer großer Vorteil ist, dass es inzwischen eine viel intensivere Kooperation mit externen Partnern wie Suchtberatungsstellen oder den Werkstätten für Menschen mit Behinderung gibt. Da ist ein starkes Netzwerk gewachsen – und das hilft den Patienten im Alltag sehr.“