Duisburg,
07
April
2025
|
08:26
Europe/Amsterdam

Welt-Parkinson-Tag (11.4.)

Experten klären über die Krankheit auf und erläutern, worauf Betroffene achten müssen

Zusammenfassung
  • Rund 200.000 Menschen in Deutschland leiden an der „Parkinson-Krankheit“ (Parkinson). Jährlich kommen mehr als 20.000 Neuerkrankungen hinzu.
  • Der Welt-Parkinson-Tag am 11. April soll auf die Krankheit und Therapiemöglichkeiten aufmerksam machen. Denn die richtige medikamentöse Behandlung sowie Physio- und Ergotherapie können die Entwicklung der Krankheit positiv beeinflussen, wenn sie auch noch nicht heilbar ist.
  • Prof. Wilhelm Nacimiento, Chefarzt der Klinik für Neurologie der Sana Kliniken Duisburg, sowie Prof. Lars Wojtecki, Chefarzt der Neurologischen Klinik am Hospital zum Heiligen Geist Kempen, beantworten die wichtigsten Fragen rund um Parkinson und erklären, worauf Betroffene achten müssen.

Was ist Parkinson und wie entsteht die Krankheit?

Prof. Wilhelm Nacimiento: „Bei Parkinson handelt es sich um eine neurodegenerative Erkrankung, bei der in einer bestimmten Region des Gehirns die Nervenzellen absterben und der Körper sie nicht mehr ersetzt. Dadurch entsteht eine Funktionsbeeinträchtigung in neuronalen Netzwerken, die zu mehreren Symptomen führt. In erster Linie handelt es sich um motorische Störungen, zum Beispiel ein kleinschrittiges Gangbild oder zitternde Hände.“

Was sind typische Symptome von Parkinson?

Prof. Wilhelm Nacimiento: „Die Krankheit verläuft in mehreren Phasen, da es sich um eine fortschreitende Erkrankung handelt. Der Verlauf ist bei den Betroffenen individuell. Die meisten von ihnen nehmen die ersten Symptome, die in der Regel zwischen dem 50. und 60 Lebensjahr auftreten, oft noch gar nicht wahr. Da passiert erst später, wenn sich beispielsweise Muskelzittern, verlangsamte Bewegungsabläufe, Muskelsteifheit, eingeschränkte Reaktionen und daraus resultierende Stürze entwickeln.“

Prof. Lars Wojtecki: „Neben den motorischen Störungen können vegetative Funktionsstörungen auftreten wie zum Beispiel vermehrter Harndrang oder auch Kreislaufprobleme mit Blutdruckschwankungen. Neben körperlichen Symptomen greift Parkinson auch oft die Psyche an. Im Verlauf der Krankheit treten daher oft Depressionen auf.“

Welche Symptome sollten Betroffene medizinisch abklären lassen?

Prof. Wilhelm Nacimiento: „Spätestens bei den beschriebenen motorischen Symptomen mit Verlangsamung der Bewegungsabläufe, Sturzneigung und Muskelzittern sollte medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. Je früher allerdings eine Diagnose gestellt wird, desto eher kann die Therapie beginnen und greifen.“

Wie wird Parkinson diagnostiziert?

Prof. Lars Wojtecki: „Treten die ersten Symptome auf, werden klinisch-neurologische Untersuchungen durchgeführt. Regelmäßig werden auch bildgebende Untersuchungen, zum Beispiel das Schädel-MRT, in Einzelfällen auch nuklearmedizinische Untersuchungen wie ein sogenannter ‚DAT-Scan‘ veranlasst.“

Ist Parkinson heilbar?

Prof. Wilhelm Nacimiento: „Parkinson ist noch nicht heilbar. Allerdings ist es mittlerweile gut möglich, die Symptome durch eine entsprechende medikamentöse Therapie sowie Ergo- und Physiotherapie einzudämmen und den Betroffenen eine gute Lebensqualität zu ermöglichen. Im Einzelfall kann es aber leider sein, dass die Lebenserwartung im Vergleich zu nicht erkrankten Personen vermindert wird. Da häufig ältere Menschen betroffen sind, haben diese oftmals bereits Herz- oder Gefäßerkrankungen. Und in Kombination mit Parkinson können diese Krankheiten sich durchaus auf die Lebenserwartung auswirken.“

Wie sehen die Behandlungsmöglichkeiten aus?

Prof. Lars Wojtecki: „Es gibt ein umfangreiches Spektrum an Medikamenten, die den gestörten Transmitterstoffwechsel bei Parkinson günstig beeinflussen und damit die Symptome deutlich lindern können. Die medikamentöse Einstellung von Parkinson-Betroffenen muss regelmäßig im Laufe der Krankheit fachneurologisch überprüft und angepasst werden. Es handelt sich immer um eine individuelle Therapie, die sich nach klinischer Symptomatik und Verträglichkeit der Medikation richtet. Die neurologische Betreuung erfolgt überwiegend ambulant, eine stationäre Aufnahme ist nur bei ausgeprägter Verschlechterung der Symptome erforderlich. Wichtig ist die regelmäßige Physio- und Ergotherapie; bei Sprech- und Schluckstörungen ist auch eine logopädische Behandlung nötig.“

Was ist das besondere Angebot der Sana Kliniken Duisburg?

Prof. Wilhelm Nacimiento: „In ausgewählten Fällen bieten wir in den Sana Kliniken Duisburg die stereotaktische, neurochirurgische Behandlung zur Behandlung von Parkinson an, die auch ‚Tiefe Hirnstimulation‘ genannt wird. Hier besteht eine enge Kooperation zwischen Neurologie und Neurochirurgie. Ein weiteres, besonderes Angebot ist die Behandlung von Betroffenen im Rahmen der geriatrischen Komplexbehandlung und beziehungsweise oder in der geriatrischen Tagesklinik unseres Hauses. Hier betreuen wir die Betroffenen neurologisch mit. In diesem Rahmen optimieren wir beispielsweise medikamentöse Behandlungen in Verbindung mit Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie und passen diese individuell an.“

Prof. Lars Wojtecki: „Einmal im Quartal biete ich gemeinsam mit Prof. Nacimiento außerdem eine Parkinson-Spezialsprechstunde in Duisburg an. In dieser untersuchen und beraten wir ausgewählte, insbesondere schwer von Parkinson betroffene Menschen. Neben der medikamentösen Therapie erörtern wir dabei die Optionen der Parkinson-Komplexbehandlung und der möglichen Indikation zur Tiefenhirnstimulation.“

Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen gibt es auf der Website des Neurozentrums der Sana Kliniken Duisburg.

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Über die Sana Kliniken Duisburg

Die Sana Kliniken Duisburg sind ein Krankenhaus der Maximalversorgung und Lehrkrankenhaus der Universität Duisburg-Essen und behandeln jährlich zirka 22.000 stationäre Patientinnen und Patienten. Weitere rund 60.000 Patienten werden ambulant versorgt. Das Klinikum verfügt über 17 Fachabteilungen, drei Institute und ein angeschlossenes Ärztezentrum sowie 550 Betten und beschäftigt 1.600 Mitarbeitende. Träger ist zu 99 Prozent die Sana Kliniken AG und zu einem Prozent die Stadt Duisburg.

Über die Sana Kliniken AG