Hameln-Pyrmont,
24
Juni
2026
|
16:09
Europe/Amsterdam

Wenn die Temperaturen steigen, steigt auch das Gesundheitsrisiko

Dr. Ben Schwertfeger, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme, erklärt, worauf bei den angekündigten Temperaturen zu achten ist

Zusammenfassung
  • So reagiert der Körper auf hohe Temperaturen
  • Warum körperliche Anstrengung bei Hitze zur Belastung werden kann
  • Ältere Menschen, Babys und Menschen mit Vorerkrankungen besonders gefährdet
  • Tipps für einen gesunden Umgang mit den heißen Tagen

Für das kommende Wochenende werden auch im Weserbergland hochsommerliche Temperaturen von über 30 Grad erwartet. Was für viele nach Freibad, Eis und Sonnenschein klingt, bedeutet für den Körper eine erhebliche Belastung. Gerade bei anhaltender Hitze steigt das Risiko für gesundheitliche Beschwerden deutlich an.

„Temperaturen von über 30 Grad sind für unseren Körper eine echte Herausforderung“, erklärt Dr. Ben Schwertfeger, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am Sana Klinikum Hameln-Pyrmont. „Besonders dann, wenn mehrere heiße Tage aufeinanderfolgen und die Nächte kaum noch Abkühlung bringen, steigt die Belastung für Kreislauf und Organismus spürbar an.“ Der menschliche Körper arbeitet normalerweise mit einer Kerntemperatur von etwa 37 Grad. Bereits ab Temperaturen um 25 Grad wird es zunehmend schwieriger, überschüssige Wärme abzugeben. Um sich zu schützen, erweitert der Körper die Blutgefäße, erhöht die Durchblutung der Haut und produziert Schweiß um über dessen Verdunstung Wärme abzuführen. „Dieses Kühlsystem funktioniert grundsätzlich sehr gut, stößt bei großer Hitze aber irgendwann an seine Grenzen. Dann können Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsprobleme, Kreislaufbeschwerden oder Muskelkrämpfe auftreten“, so Dr. Schwertfeger, der mit einem erhöhten Patientenaufkommen in der Notaufnahme für das Wochenende rechnet.

Erste Warnzeichen ernst nehmen

Viele Menschen bemerken zunächst lediglich eine ungewöhnliche Müdigkeit oder verminderte Leistungsfähigkeit. Ursache ist häufig ein Flüssigkeitsmangel. Schon ein Verlust von ein bis zwei Prozent des Körpergewichts durch Schwitzen kann die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. „Der Körper arbeitet bei Hitze permanent daran, seine Temperatur zu regulieren. Das kostet Energie und belastet Herz und Kreislauf. Wer dann zusätzlich zu wenig trinkt, riskiert gesundheitliche Probleme“, erklärt Dr. Schwertfeger. Besonders kritisch seien längere Hitzeperioden, weil die Wohnräume dann nachts nicht ausreichend auskühlen und der Schlaf gestört wird, was wichtige Erholungsphasen für den Organismus reduziert.

Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall

Die schwerste Form hitzebedingter Erkrankungen ist der Hitzschlag. Dabei steigt die Körperkerntemperatur auf über 40 Grad an und die körpereigene Temperaturregulation versagt. „Ein Hitzschlag ist immer ein Notfall und muss sofort behandelt werden“, betont der Notfallmediziner. „Betroffene können verwirrt wirken, das Bewusstsein verlieren oder Krampfanfälle entwickeln. Ohne schnelle medizinische Hilfe drohen schwere Organschäden.“

Betroffen seien aber nicht nur ältere Menschen. Auch junge und gesunde Personen können einen Hitzschlag erleiden, insbesondere bei körperlicher Anstrengung in der Sonne.

Sport besser in die Morgen- oder Abendstunden verlegen

Auch wenn Bewegung grundsätzlich gesund ist, sollten intensive sportliche Aktivitäten an heißen Tagen möglichst vermieden oder in die kühleren Morgen- und Abendstunden verlegt werden, da sie den Organismus zusätzlich belasten. Warnzeichen wie Schwindel, Übelkeit, ungewöhnlich hoher Puls, starke Kopfschmerzen oder Muskelkrämpfe sollten ernst genommen und Anlass sein, die körperliche Aktivität sofort zu beenden.

Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Babys und chronisch Kranke

Ein erhöhtes Risiko für hitzebedingte Beschwerden haben insbesondere ältere Menschen, Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere sowie Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenerkrankungen oder Diabetes. „Gerade bei älteren Menschen und kleinen Kindern kann der Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt sehr schnell aus dem Gleichgewicht geraten. Hinzu kommt, dass ältere Menschen oft ein vermindertes Durstgefühl haben und deshalb zu wenig trinken,“ so der Mediziner und ergänzt „In der Zentralen Notaufahme werden während Hitzeperioden regelmäßig Patientinnen und Patienten behandelt, die unter den Folgen von Flüssigkeitsmangel oder Kreislaufproblemen leiden. Insbesondere ältere Menschen kommen häufig mit Herz-Kreislauf-Beschwerden, Bewusstseinsstörungen oder einer Nierenschwäche zu uns. Oft können wir den Patienten und Patientinnen schon durch einen intravenösen Flüssigkeitsausgleich rasch helfen.“

Tipps für heiße Tage

Damit die hohen Temperaturen möglichst gut vertragen werden, empfiehlt Dr. Ben Schwertfeger:

Ausreichend trinken: Die Trinkmenge sollte an heißen Tagen erhöht werden. Geeignet sind Wasser oder ungesüßte Getränke. Alkohol sollte möglichst vermieden werden, da er den Kreislauf zusätzlich belastet.

Leichte Mahlzeiten bevorzugen: Salate, Gemüse, Obst und leichte Speisen belasten den Körper weniger als schwere und fettreiche Gerichte.

Wohnräume kühl halten: Früh morgens und nachts lüften, tagsüber Fenster geschlossen halten und Räume verschatten.

Direkte Sonne meiden: Vor allem die Mittagsstunden zwischen 11 und 17 Uhr sollten möglichst im Schatten verbracht werden.

Luftige Kleidung tragen: Helle, lockere Kleidung aus Naturfasern erleichtert die Wärmeabgabe.

Auf Mitmenschen achten: Insbesondere ältere Angehörige, Nachbarn oder alleinlebende Menschen benötigen an heißen Tagen oft Unterstützung.

„Die angekündigten Temperaturen sind kein Grund zur Panik, aber sie sollten ernst genommen werden“, sagt Dr. Schwertfeger. „Wer auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achtet, körperliche Belastungen reduziert und Warnzeichen früh erkennt, kommt in der Regel gut durch die heißen Tage.“

Bei starker Luftnot, Krampfanfällen, Bewusstseinsstörungen oder Bewusstlosigkeit sollte umgehend der Rettungsdienst über die Notrufnummer 112 verständigt werden.

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Dr. Ben Schwerdtfeger Chefarzt der Notaufnahme

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