Hof,
18
Mai
2026
|
14:52
Europe/Amsterdam

Wenn Standardtherapien nicht mehr ausreichen

Zusammenfassung

Radiologie Hof setzt auf innovative Gefäßmedizin - Behandlung am Sana Klinikum Hof rettet Patientenleben

Am Sana Klinikum Hof ist es einem interdisziplinären Ärzteteam gelungen, einem schwer erkrankten Patienten mit einer seltenen und lebensbedrohlichen Komplikation erfolgreich zu helfen – mithilfe eines innovativen minimalinvasiven Verfahrens.

Als der Patient vorgestellt wurde, war die Situation bereits kritisch: Der Patient litt unter schwerer Infektion, reduziertem Allgemeinzustand und einer akut lebensbedrohlichen Gefäßkomplikation. Ursache war eine schwere Komplikation infolge einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung. Dabei hatte sich ein Abszess im Bauchraum gebildet, der eine ungewöhnliche Verbindung (Fistel) zur Pfortader – einem wichtigen Blutgefäß zur Leber – geschaffen hatte. Dadurch gelangten Luft und Bakterien in den Blutkreislauf, was zu einer akuten und potenziell lebensbedrohlichen Situation führte.

„Es handelte sich um eine sehr seltene und hochkomplexe Komplikation mit potenziell lebensbedrohlichem Verlauf. In solchen Situationen müssen Therapieentscheidungen schnell und interdisziplinär getroffen werden“, erklärt Prof. Dr. Boris Radeleff, Chefarzt der Diagnostischen und Interventionellen Radiologie am Sana Klinikum Hof.

Entscheidung gegen eine Operation

Da klassische Behandlungsverfahren wie eine erneute Operation in diesem Fall mit hohen Risiken verbunden gewesen wären, entschied sich das Behandlungsteam für einen neuen Ansatz. „Aufgrund der ausgeprägten Entzündungssituation und des hohen operativen Risikos suchten wir nach einer möglichst schonenden, aber gleichzeitig effektiven Therapieoption.“ In einem minimalinvasiven Eingriff wurde ein sogenannter Stent-Graft – ein mit einer speziellen Hülle überzogenes Gefäßstützsystem – in die betroffene Vene eingesetzt. Ziel war es, die krankhafte Verbindung von innen abzudichten und den Blutfluss wieder zu stabilisieren.

Ungewöhnlicher Einsatz eines bewährten Systems

Besonders bemerkenswert: Das verwendete System wurde ursprünglich für Dialysezugänge entwickelt und kam hier erstmals am Sana Klinikum Hof in einem völlig neuen medizinischen Zusammenhang zum Einsatz. Die Idee zu diesem Ansatz entstand unter anderem aufgrund früherer internationaler fachlicher Erfahrungen mit dem System, das Prof. Dr. Boris Radeleff bereits auf einer interventionell-radiologischen Fachkonferenz in Spanien kennengelernt hatte. Besonders die hohe Flexibilität sowie die speziellen Materialeigenschaften des Systems führten zu der Überlegung, dass sich das Stent-Graft möglicherweise auch für diese komplexe entzündliche Gefäßsituation eignen könnte. „Aufgrund seiner Flexibilität und der speziellen Beschichtung erschien uns das System auch für diese besondere Situation im Bereich der Pfortader sehr geeignet“, erklärt Mohammed Misbahuddin-Leis.

Ein anspruchsvoller Eingriff

Der Eingriff selbst stellte das Team vor besondere Herausforderungen: Über einen perkutanen transhepatischen Zugang musste das Stent-System präzise im Bereich der Pfortader positioniert werden. Neben der komplexen entzündlichen Veränderung erforderten insbesondere die empfindliche Gefäßsituation sowie das akute Infektionsgeschehen ein äußerst sorgfältiges Vorgehen. „Die größte Herausforderung bestand darin, die betroffene Gefäßstelle sicher abzudichten und gleichzeitig den Blutfluss zur Leber aufrechtzuerhalten“, erklärt Mohammed Misbahuddin-Leis. Dennoch gelang es, das Stent-System präzise zu platzieren und die betroffene Gefäßstelle vollständig abzudichten.

Schnelle Stabilisierung und deutliche Verbesserung

Der Eingriff zeigte sofort Wirkung: Die krankhafte Verbindung zur Vene konnte erfolgreich verschlossen und der normale Blutfluss wiederhergestellt werden. „Bereits kurz nach dem Eingriff zeigte sich eine deutliche klinische Verbesserung. Besonders erfreulich war, dass sich die Entzündungszeichen sowie die Luftansammlungen im Bereich der Pfortader im weiteren Verlauf vollständig zurückbildeten“, erklärt Prof. Dr. Boris Radeleff. Auch bei den Nachuntersuchungen blieb das eingesetzte System stabil und durchgängig. Der Patient konnte sich vollständig erholen. 

Schonende Alternative zur Operation

Der große Vorteil dieses Verfahrens liegt in seiner Schonung: Statt einer belastenden Operation ermöglicht der minimalinvasive Eingriff eine gezielte Behandlung „von innen“, mit deutlich geringerem Risiko und kürzerer Erholungszeit. „In komplexen Situationen wie dieser kann die interventionelle Radiologie eine entscheidende Alternative zur Operation bieten“, so das behandelnde Team. „Der Fall zeigt, welches Potenzial moderne interventionell-radiologische Verfahren auch in bislang kaum beschriebenen Situationen haben können“.

Ein wichtiger Schritt für die Medizin – und für Hof

Nach aktuellem Kenntnisstand handelt es sich um einen der ersten dokumentierten Einsätze dieses Stent-Systems in der Pfortader überhaupt. „Solche komplexen minimalinvasiven Eingriffe zeigen, welches hohe interventionell-radiologische Spektrum mittlerweile auch am Sana Klinikum Hof möglich ist“, erklärt Prof. Dr. Boris Radeleff. Die erfolgreiche Behandlung zeigt, welches Potenzial moderne minimalinvasive Verfahren auch in bislang kaum erschlossenen Anwendungsbereichen haben – und unterstreicht zugleich die besondere Expertise der Diagnostischen und Interventionellen Radiologie am Sana Klinikum Hof. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das vor allem eines: neue Hoffnung – selbst in sehr kritischen Situationen.

Herr Misbahuddin Leis

Mohammed Misbahuddin-Leis, Facharzt der Diagnostischen und Interventionellen Radiologie

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