Wenn Vorsorge Leben rettet: Darmkrebs im Blick
Darmkrebsmonat März
· Jährlich gibt es 50.000 Darmkrebs-Neuerkrankungen in Deutschland.
· Rund 20.000 Menschen sterben bundesweit jährlich an Darmkrebs.
· Früherkennung hilft Leben retten: Vorsorgekoloskopie ist effektivste Methode.
· Interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Gastroenterologen, Viszeralchirurgen und Onkologen spielt wichtige Rolle in der Darmkrebstherapie.
Darmkrebs gehört mit rund 50.000 Neuerkrankungen und ca. 20.000 Todesfällen pro Jahr in Deutschland zu den häufigsten krebsbedingten Todesursachen. Damit sich das ändert, hat die Felix Burda Stiftung im Jahr 2002 den „Darmkrebsmonat März“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, das Bewusstsein für die Vorsorge zu schärfen und Ängste zu nehmen – beispielsweise vor der Darmspiegelung. Denn Früherkennung rettet Leben: Alleine im Jahr 2022 konnten laut Stiftung geschätzt ca. 350.000 Neuerkrankungen und 175.000 Todesfälle verhindert werden. Nicht zuletzt, weil die Überlebenschancen heutzutage höher denn je sind. Insbesondere dann, wenn der Krebs rechtzeitig entdeckt wird. Dabei arbeiten Gastroenterlogen, Viszeralchirurgen und Onkologen sowie Strahlentherapeuten Hand in Hand zusammen und beraten im Fall der Fälle, wie Patienten therapiert werden.
Wie das funktioniert und was wichtige Vorsorgeuntersuchungen sind, erläutern Dr. Jan Sebastian Balleisen, Chefarzt der Klinik für Onkologie der Sana Kliniken Duisburg, und Prof. Simon Schimmack, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Leiter Onkologisches Zentrum im Evangelischen Krankenhaus BETHESDA, im Interview. Dabei zeigen sie auch auf, welche Risikofaktoren Darmkrebs begünstigen und welche Therapiemöglichkeiten es gibt.
Welche Faktoren spielen eine Rolle bei der Entstehung von Darmkrebs?
Dr. Jan Sebastian Balleisen: „Darmkrebs entwickelt sich meist über Jahre aus zunächst gutartigen Polypen. Der Lebensstil und die Ernährung beeinflussen das Risiko genauso wie die genetische Veranlagung. Auch das Alter kann eine Rolle spielen. Wer zudem an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen leidet, hat ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs.“
Was sind die Hauptrisikofaktoren für eine Darmkrebs-Erkrankung?
Prof. Simon Schimmack: „Neben dem Alter sind auch familiäre Vorbelastungen relevant. Hinzu kommen ungesunde Lebensweisen: Übergewicht, wenig Bewegung, viel rotes Fleisch, wenig Gemüse und viel Zucker begünstigen die Entstehung von Polypen, die bösartig entarten können. Rauchen und regelmäßiger Alkoholkonsum spielen da natürlich auch mit rein.“
Wie wichtig ist die Früherkennung und welche Methoden empfehlen Sie bzw. Fachgesellschaften?
Prof. Schimmack: „Die Früherkennung ist entscheidend, da frühe Stadien meist gut heilbar sind. Daher ist die Darmspiegelung die effektivste Methode. Diese wird von unseren Gastroenterologen durchgeführt, mit denen wir eng zusammenarbeiten. Während der Darmspiegelung können mögliche Polypen direkt entfernt werden – Vorsorge und Therapie quasi in einem Schritt. Alternativ stehen immunologische Stuhltests zur Verfügung. Fachgesellschaften empfehlen darum auch strukturierte Screening Programme. Denn Früherkennung rettet Leben.“
Ab welchem Alter sollte man sich wie regelmäßig testen lassen?
Dr. Balleisen: „Männer ab 50 Jahren, Frauen ab 55 Jahren. Alternativ können regelmäßige Stuhltests abgegeben werden. Wenn eine familiäre Vorbelastung vorliegt, sollten die Vorsorgeuntersuchungen ca. zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter der Angehörigen beginnen. Natürlich steht es allen frei, auf eigene Kosten früher eine Darmspiegelung machen zu lassen, auch zum Beispiel bereits mit 30 Jahren.“
Mit welchen Symptomen sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen?
Prof. Schimmack: „Blut im Stuhl oder neu aufgetretene Stuhlveränderungen sind ein absolutes Alarmsignal, wie auch anhaltende Durchfälle oder Verstopfung ohne erkennbare Ursache, ungeklärte Bauchschmerzen, ungewollter Gewichtsverlust oder Blutarmut und zunehmende Leistungsabnahme.“
Welche Behandlungsmethoden und Therapien gibt es?
Dr. Balleisen: „Die Therapie basiert auf drei zentralen Säulen: Operation, medikamentöse Systemtherapie und – beim Rektumkarzinom – Strahlentherapie. In frühen Stadien ist die vollständige chirurgische Entfernung häufig heilend. In fortgeschrittenen Stadien kombinieren wir Chemotherapie mit zielgerichteten Antikörpertherapien. Bei bestimmten molekularen Subtypen kann Immuntherapie hochwirksam sein. Die Therapieentscheidung richtet sich heute zunehmend nach genetischen Tumoreigenschaften – nicht nur nach dem Stadium. Die Therapieentscheidung wird für alle Patienten individuell getroffen.“
Haben spezielle Therapien bzw. Methoden in den letzten Jahren besondere Fortschritte gemacht?
Dr. Balleisen: „Die molekulare Diagnostik hat die Therapie grundlegend verändert. Immuntherapien führen bei ausgewählten Patientengruppen zu langanhaltenden Verbesserungen. Kombinationstherapien sind differenzierter, individueller und besser steuerbar geworden. Selbst bei Metastasen sind durch interdisziplinäre Konzepte in Einzelfällen langfristige Krankheitskontrollen möglich.“
Prof. Schimmack: „Die Einführung der robotischen Chirurgie, die wir im Onkologischen Zentrum im Evangelischen Krankenhaus BETHESDA Zentrum nutzen, hat die Qualität der OP sowie die Zeit nach der Operation für die Patienten nochmal deutlich verbessert. Es gibt weniger Schmerzen und mehr Radikalität im Vergleich zur herkömmlichen Laparoskopie.“
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es vor Ort? Gibt es auch ambulante Angebote?
Dr. Balleisen: „Als stationäre Behandlungsmöglichkeiten bieten wir moderne Systemtherapien, darunter zum Beispiel Immun- und Antikörpertherapien oder andere zielgerichtete Therapien, Strahlen- sowie Chemotherapie. Auf ambulanter Ebene bieten wir das Medizinische Versorgungszentrum, kurz: MVZ, bzw. die onkologische Sprechstunden und die offene Sprechstunde an. Als weiteres, eigenständiges Angebot gibt es noch die Psychoonkologie.“
Prof. Schimmack: „Zudem sind wir auf dem Gebiet der robotischen Resektionen von Dickdarmkrebs oder dessen Metastasen und der Mikrowellenablation von Lebermetastasen sehr erfahren.“
Gibt es Angebote für spezielle Erkrankungen und bzw. oder bestimmte Altersstufen, zum Beispiel Kinder, Geriatrie etc.?
Dr. Balleisen: „Unsere Angebote umfassen mehrere Altersklassen. In der Kinder- und Jugendmedizin behandeln wir die Patienten mit Hilfe unserer Expertise in ausgewiesenen Schwerpunkten, zu denen zum Beispiel die pädiatrische Hämatologie und Onkologie gehört. Unsere Geriatrie mit der geriatrischen Tagesklinik ist auch insbesondere für onkologische Patienten wichtig. Und in der Neuroonkologie halten wir interdisziplinäre Fallkonferenzen sowie Neurotumorkonferenz ab. Zudem haben wir einen sehr großen überregionalen Schwerpunkt.“
Prof. Schimmack: „Als Angebot am BETHESDA haben wir unter anderem das von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierte Zentrum für Darmkrebs. Es gehört zum Onkologischen Zentrum, in dem wir auch andere Krebsarten behandeln.“
Gibt es eine Zusammenarbeit der beiden Kliniken? Wenn ja: Wie sieht diese konkret aus und wo liegt der Mehrwert für die Patienten?
Dr. Balleisen: „Wir arbeiten bereits in verschiedenen Bereichen zusammen. Die zukünftige gemeinsame Versorgungsstruktur bietet einen zusätzlichen Mehrwert im Sinne abgestimmter Versorgungspfade zwischen den Standorten, zum Beispiel Diagnostik, OP, Systemtherapie, Nachsorge, und die Bündelung bzw. Erweiterung der Expertise und der Teams. Die betroffenen Bereiche passen wir ein großes Puzzle perfekt zusammen und bieten dadurch eine Maximalversorgung für die Patienten.“
Prof. Schimmack: „Wir werden ein Krankenhaus und können die Behandlungsangebote ergänzen bzw. verbessern. So werden wir das Neuroonkologische Zentrum in den Sana Kliniken zertifizieren und in das Onkologische Zentrum BETHESDA integrieren. So können immer mehr Patienten mit den verschiedensten Krebsformen von der guten Qualität des Zentrums, weil zertifiziert, profitieren.“
Welche Bedeutung haben Zertifizierungen?
Prof. Schimmack: „Die Zertifizierung weist eine außergewöhnliche Qualität und ständige Verbesserung der Behandlung aus. Sie sichert den Patienten modernste und evidenzbasierte Therapieangebote. Gut ist, dass großen Wert auf die ganzheitliche Versorgung gelegt wird, sodass unsere Patienten zusätzlich zu überdurchschnittlicher Medizin von Hilfe durch Seelsorger, Psychoonkologen, Physiotherapeuten oder Ernährungstherapeuten profitieren können.“
Wie wichtig ist die psychologische Unterstützung für die Patienten und/oder Angehörige?
Dr. Balleisen: „Dies ist uns sehr wichtig! Denn die psychoonkologische Begleitung verbessert Bewältigung, Adhärenz – also ob der Patient sich an die Therapieempfehlungen hält – und Umgang mit Angst und Stress und entlastet Angehörige. Sie ist heute standardmäßiger Bestandteil moderner Krebsmedizin.“
Prof. Simon Schimmack, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Leiter Onkologisches Zentrum im Evangelischen Krankenhaus BETHESDA, und Dr. Jan Sebastian Balleisen, Chefarzt der Klinik für Onkologie der Sana Kliniken Duisburg, im Interview zum Thema “Darmkrebs”.
Über die Sana Kliniken Duisburg
Die Sana Kliniken Duisburg sind ein Krankenhaus der Maximalversorgung und behandeln jährlich zirka 22.000 stationäre Patientinnen und Patienten. Weitere rund 60.000 Patienten werden ambulant versorgt. Das Klinikum verfügt über 17 Fachabteilungen, drei Institute und ein angeschlossenes Ärztezentrum sowie 550 Betten und beschäftigt 1.600 Mitarbeitende. Träger ist zu 99 Prozent die Sana Kliniken AG und zu einem Prozent die Stadt Duisburg.