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KunsttherapieDie Wirkung von Pinsel und Farben

Dagmar Marth erläutert, was Kunsttherapie in der Palliativmedizin bewirken kann. Sie ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und Kunsttherapeutin gemäß der Deutsche Gesellschaft für künstlerische Therapieformen e.V. (DGKT). Seit 1998 ist sie in der ambulanten Kunsttherapie-Praxis aktiv und betreut seit 2017 auch Patienten der Palliativstation am Sana Klinikum in Offenbach.

Wenn ich den Patienten Aquarellkreiden und -stifte, Öl- und Pastellkreide, Gouachefarben, einfaches Druckverfahren, Tonerde und natürlich Papier mitbringe, dann lässt das manch einen zunächst verwundert schauen. Doch damit fordere ich – natürlich nur, wenn sich die palliativ zu versorgenden Patienten darauf einlassen möchten – ihre Kreativität heraus, um gezielt heilsam auf sie einzuwirken. Für viele Patienten ist es eine willkommene Abwechslung aber auch eine überraschende und beglückende Erfahrung, gerade am Ende ihres Lebens mit eigenen Händen nochmal etwas Neues, Ungewohntes tun zu können. Oft stellen die Patienten bewusst oder unbewusst ihre eigenen, aktuellen Gefühle dar. Diese Ergänzung zum medizinischen und pflegerischen Angebot wird häufig gerne angenommen. Denn die Patienten bekommen durch das Gestalten Abstand vom Krankheitsgeschehen, sodass sie seelisch entlastet werden und aus ihrem eigenen kreativen Tun neue Kraft schöpfen können.

Die Lebensqualität steigt durch die seelische Schmerztherapie

Das ist eine Ressourcenstärkung. Nach dem Malen sind Patienten wacher, frischer und offener, ihre Lebensqualität steigt durch diese seelische Schmerztherapie, mit der sie etwas Positives erleben, selbst wenn sie kaum noch reden und sich nicht mehr frei bewegen können. Sich selbst auszudrücken tut jedem Menschen gut. Dabei können die interessierten Patienten aus dem Material- und Farbfundus frei wählen. Auch Motive werden gemeinsam gefunden oder spontan gemalt.

Es gibt auch die Möglichkeit der rezeptiven Kunsttherapie. Dabei werden die Patienten selbst nicht aktiv, sondern schauen Bilder mit einem Kunsttherapeuten oder einer Therapeutin an oder lassen sich auf Wunsch malen. Wichtig ist bei alledem, dass psychologische Problemanalysen meist außen vor bleiben. Es genügt, wenn sich die Patienten in ihren Bildern selbst ausdrücken und die Erfahrung machen können, dass andere – nicht nur die Therapeuten, sondern auch Angehörige und Pflegekräfte – diesen Selbstausdruck akzeptieren und ihn als solchen stehenlassen, auch mit seinen manchmal durchaus düsteren Aspekten.

Die Kunsttherapie, wie sie am Sana Klinikum in Offenbach angeboten wird, ist mittlerweile ebenso wie die Arbeit mit Tieren oder beispielsweise besonderen Klangelementen ein wesentlicher Bestandteil der Patientenbegleitung auf vielen vergleichbaren Stationen. Außerdem gibt es am Sana Klinikum Offenbach den Förderverein Palliare e.V. zu Gunsten schwerstkranker Patienten der Palliativmedizin.

Kontakt

Dagmar Marth

Kunsttherapeutin, Palliativstation, Sana Klinikum Offenbach

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