Schwangerschaftsdiabetes

SchwangerschaftsdiabetesSo lassen sich mögliche Risiken reduzieren

Weltweit steigt die Anzahl der Frauen, bei denen in der Schwangerschaft ein Diabetes festgestellt wird. Der Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes (GDM) ist definiert als eine erstmals in der Schwangerschaft aufgetretene oder diagnostizierte Glucosetoleranzstörung und zählt zu den häufigsten schwangerschaftsbegleitenden Krankheiten. „Gründe für die steigende Tendenz sind, neben höherem Durchschnittsalter der Gebärenden, auch Übergewicht und mangelnde körperliche Aktivität“, weiß Dr. Susanne Marek, Leiterin Geburtshilfe und Pränataldiagnostik am Sana Klinikum Offenbach.

Erhöhte Erkrankungsrate und Langzeitkomplikationen bei Schwangerschaftsdiabetes

Der Gestationsdiabetes geht mit einer erhöhten Erkrankungsrate in der Verbindung zwischen Mutter und ihrem Kind sowie Langzeitkomplikationen bei Mutter und Kind einher. Die Frauen entwickeln während ihrer Schwangerschaft häufiger einen Bluthochdruck (Hypertonus) und mit höherer Wahrscheinlichkeit im späteren Leben einen manifesten Diabetes. Auch für das Ungeborene bleiben die hohen mütterlichen Blutzuckerwerte nicht ohne Folgen. Häufig haben diese Kinder ein höheres Geburtsgewicht, was unter der Geburt zu Verletzungen bei Mutter und Kind führen kann. Das Risiko für Frühgeburten, fetale Fehlbildungen bis hin zum Tod des Kindes noch vor der Geburt ist im Vergleich zu Frauen mit gesundem Stoffwechsel erhöht. Die Geburt muss häufiger eingeleitet werden oder das Kind muss per Kaiserschnitt geboren werden. Und selbst nach Geburt haben diese Kinder ein erhöhtes Risiko im Kindesalter oder als junge Erwachsene einen Diabetes zu entwickeln.

Blutzuckerscreening in der 24. und 27. Schwangerschaftswoche

Um Komplikationen zu verhindern, sind eine möglichst frühe Erkennung des Gestationsdiabetes und dessen fachkundige Behandlung wichtig. So ist das Blutzuckerscreening auf GDM zwischen der 24. und 27. Schwangerschaftswoche fester Bestandteil in den Mutterschaftsrichtlinien. Alle Frauen mit GDM erhalten eine Ernährungsberatung. Häufig normalisiert sich die Stoffwechsellage bereits durch Ernährungsumstellung und Steigerung der körperlichen Aktivität. Sollte dies nicht ausreichen und die Blutzuckerwerte weiterhin nicht im Therapiebereich (nüchtern <95 mg/dl und eine Stunde nach den Mahlzeiten <140 mg/dl) liegen, ist eine Insulintherapie notwendig. Die Frauen müssen regelmäßig ihre Blutzuckerwerte selbst kontrollieren. Die Optimierung der Insulintherapie erfolgt in enger Zusammenarbeit von Diabetologen und Gynäkologen. Das heißt: neben der mütterlichen Überwachung erfolgt auch ein intensiveres Monitoring des Kindes in Form von regelmäßigen CTG- und Ultraschallkontrollen, zur fetalen Gewichtsschätzung, Bestimmung der Fruchtwassermenge, sowie Kontrolle der fetalen Versorgung im Mutterleib mittels Doppleruntersuchung.

Blutzuckermessungen nach der Geburt helfen um Unterzuckerung beim Säugling zu erkennen

Nach der Entbindung kann das Neugeborene Anpassungsprobleme haben. Dies sind zum Beispiel die Neigung zu Unterzuckerungen oder Probleme mit der Atmung. Daher werden diese Babys in besonderer Weise überwacht und untersucht. Besonders wichtig ist die Frühfütterung der Kinder, am besten durch frühes Anlegen des Kindes zum Stillen 30 Minuten nach der Geburt. Zur Erkennung einer Unterzuckerung beim Kind erfolgen Blutzuckermessungen zwei, sechs und zwölf Stunden nach Geburt. Bei den meisten Frauen normalisiert sich die diabetische Stoffwechsellage nach Geburt wieder von selbst. Da jedoch das Risiko zur Entwicklung eines Typ-II-Diabetes in den Folgejahren erhöht ist, sollten alle Frauen vier bis zwölf Wochen nach der Entbindung einen Zuckerbelastungstest (oGGT – Oraler Glukose-Toleranz-Test) durchführen lassen. Bei unauffälligem Ergebnis sollte der Test alle zwei Jahre wiederholt werden. Auch das Stillen wird ausdrücklich empfohlen, da hierdurch das Risiko für einen späteren Diabetes reduziert werden kann.

Kontakt

Dr. Susanne Marek

Leiterin Geburtshilfe und Pränataldiagnostik, Sana Klinikum Offenbach

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