Beckenfreundliche Geburt

SchwangerschaftDen Beckenboden im Fokus

Googelt man den Begriff „Beckenboden“ so erscheint eine Vielzahl Artikel rund um Schwangerschaft, Symptome nach der Geburt, Risiken und Rückbildung nach der Entbindung. Was eigentlich ist der Beckenboden und was lässt sich bereits schon im Vorfeld tun, um diesen zu stärken? Diesen und anderen Fragen stellt sich Dr. Thomas Fink als Leiter des Sana Beckenbodenzentrum Berlin.

Herr Dr. Fink mal frei raus gefragt: Was ist der Beckenboden und warum ist er für eine (nicht nur schwangere) Frau so wichtig?
Der Beckenboden besteht aus unterschiedlichen Muskelgruppen. Diese arbeiten zusammen und haben drei Hauptfunktionen: Erstens: anspannen, zweitens: entspannen, drittens: reflektorisch gegenhalten (anspannen als Reaktion auf eine Druckerhöhung im Bauchraum).

Das Anspannen ist besonders wichtig zur Sicherung der Kontinenz. Dabei unterstützt die Beckenbodenmuskulatur maßgeblich die Schließmuskeln der Harnblase und des Anus. Zum Wasserlassen, beim Stuhlgang, auch beim Geschlechtsverkehr muss sich der Beckenboden entspannen können. Der Beckenboden muss situativ seine Spannung anpassen können: So sollte er beispielsweise beim Husten, Niesen, Lachen, Hüpfen schnell seine Spannung verstärken, da es sonst zu Urinverlust kommen kann. Beim längeren Tragen muss er sogar eine höhere Spannung über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten können.

Sie halten in interessierten Foren gerne den Vortrag „die beckenbodenfreundliche Geburt“ und widmen sich so dem Thema frühzeitig vor der Entbindung. Was sind hier Ihre Absichten und inhaltlichen Schwerpunkte?
Um Beckenbodenschäden abzuwenden kann schon frühzeitig, beispielsweise durch Beckenbodentraining in der Schwangerschaft, eine Inkontinenz nach der Geburt verhindert werden. Schwangere werden ermutigt auch während der Geburt mit der Hebamme über den Beckenbodenschutz ins Gespräch zu kommen. So weiß man, dass eine warme Vorlage auf dem Damm vor Verletzungen schützt. In den Vorträgen klären wir auch über den Sinn des sogenannten Dammschnitts (Episiotomie) auf, der manchmal unter der Geburt nötig werden kann und eine Dammverletzung darstellt. Dieser Eingriff muss aber nicht zwingend zu Funktionsstörungen, wie Inkontinenz oder Senkungsleiden, führen.

Wenn Frauen und werdende Mütter mit Ihnen als Experte ins Gespräch kommen, welche sind die konkreten Bedenken, Sorgen, Fragen die Ihnen hier gestellt werden?
Gerade in den letzten Jahren sind viele Frauen über Presseartikel, in denen prominente Frauen offen über ihre Beckenbodenbeschwerden nach Geburt berichten, darüber informiert, dass durch die Schwangerschaft und Geburt Schäden am Beckenboden entstehen, die zu Funktionsstörungen führen können. Das ist der Grund warum immer mehr Frauen aufgeklärt sein möchten, über das, was sie nach der Geburt erwartet und welche Möglichkeiten dann bestehen, die Störung zu behandeln. Auch die Frage der Prävention wird natürlich immer gestellt – daher auch unser Ansatz möglichst frühzeitig geeignete Optionen anzusprechen.

Bitte umreißen Sie abschließend – als Leiter des Sana Beckenbodenzentrum Berlin – doch kurz, welche Behandlungsschwerpunkte und Therapien in einem Zentrum wie Ihrem geboten werden.
In einem Beckenbodenzentrum wie unserem arbeiten Kollegen verschiedener Fachrichtungen zum Wohle der Frau und ihres Beckenbodens zusammen. Dabei hat jede Fachrichtung einen unterschiedlichen Schwerpunkt. Präventionsmaßnahmen wie Beckenbodenübungen angeleitet durch die Physiotherapie sind sehr wichtig. Die gute Versorgung von Damm- und Beckenbodenverletzungen nach der Geburt liegt in den Händen der Frauenärzte, ebenso die konservative Therapie der Pessaranwendung, die schon vor der Rückbildung begonnen werden kann und eine schnelle Hilfe bei Inkontinenzbeschwerden oder Beckenbodensenkung ist. Die meisten Funktionsstörungen sind ein Jahr postpartal verschwunden. Frauen, die weiterhin Beschwerden wie etwa Harninkontinenz haben, können nach Ausschöpfung aller konservativen Maßnahmen durch minimalinvasive operative Eingriffe auch von ihrem Leiden befreit werden. Heutzutage sollte dies kein Tabu-Thema mehr sein.

Kontakt

Dr. med. Thomas Fink

Dr. Thomas Fink

Leiter Beckenbodenzentrum, Sana Klinikum Lichtenberg

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