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Künstliches Knie- oder Hüftgelenk: Mit personalisierter Endoprothetik zu mehr Lebensqualität
Bei fortschreitendem Gelenkverschleiß, auch Arthrose genannt, kann nach Ausschöpfen der nicht-operativen Therapie die Implantation eines künstlichen Gelenks in Knie oder Hüfte die Beschwerden verbessern. Mittlerweile spielt die auf den einzelnen Patienten abgestimmte, das heißt personalisierte, Versorgung eine entscheidende Rolle. Prof. Stefan Hankemeier, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie am Sana Klinikum Hameln-Pyrmont, ist Spezialist auf diesem Gebiet und verhilft Patienten wieder zu mehr Lebensqualität – und darauf kommt es an.
Durchschnittlich 90 Prozent der Patienten mit einer Totalendoprothese (TEP) des Kniegelenks sind zufrieden oder sehr zufrieden. Dies zeigte eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Journal for Arthroplasty mit mehr als 20 Studien. Bei den Patienten mit einer Hüft-TEP liegt der Wert für die Zufriedenheit nach dem Eingriff noch höher. Wichtig für ein gutes Operationsergebnis sind eine optimale Vorbereitung auf die Operation, die personalisierte Planung des Eingriffs sowie eine zielgerichtete Rehabilitation.
Im besten Fall vergessen die Patienten nach vier bis sechs Monaten, dass sie ein künstliches Gelenk haben. In der Medizin hat sich für dieses positive Phänomen der Begriff „Forgotten Joint“ etabliert. Aus Sicht von Sana-Experte Stefan Hankemeier sind zwei Bausteine für die rasche Genesung essentiell: Die personalisierte Positionierung der Prothese und der Einsatz des Rapid Recovery Konzepts.
Personalisierte Positionierung der Implantate
Eine der wichtigsten Entwicklungen der letzten Jahre in der Endoprothetik ist die personalisierte Positionierung der Prothesenimplantate, gerade am Kniegelenk. Diese beginnt mit einer digitalen radiologischen Vermessung des Gelenkes und der Achsen. Im nächsten Schritt erfolgt eine individuelle Planung der Gelenkrekonstruktion, um die individuelle Anatomie vor der Arthrose wiederherzustellen.
Stefan Hankemeier erklärt: „Ein zentrales Ziel ist es, durch die Operation den präarthrotischen Zustand wiederherzustellen. Jeder Patient erhält somit ein personalisiertes Alignment, das heißt seine persönlich angepasste Implantat-Position beziehungsweise Beinachsenstellung. Der große Vorteil dabei ist, dass die natürliche Spannung der Bänder und der Gelenkkapsel erhalten bleibt. Es sind keine Einkerbungen der Weichteile nötig, es kommt zu weniger Blutungen und die Patienten haben geringere Schmerzen sowie eine bessere Stabilität. Das ist für die schnelle Rehabilitation und eine besonders gute Funktion ein sehr wichtiger Fortschritt.“
Anhand der Daten entscheiden die Mediziner für jeden Patienten über den adäquaten Prothesentyp, die passende Größe, die richtige Stellung und die Art der Knochenresektion, das heißt der chirurgischen Entfernung von Knochenabschnitten. Der Zugangsweg zum Operationsgebiet ist weichteilschonend und trägt damit ebenfalls zu einer schnelleren Regeneration bei. Das kinematische Alignment, das heißt die Prothesenpositionierung anhand der Drehachsen des natürlichen Knies, ist im Vergleich zur herkömmlichen Vorgehensweise des Kniegelenkersatzes mit horizontaler Gelenklinie und einer exakt geraden Beinachse für jeden Patienten ein großer Fortschritt.
Mit der neuen Methode erreichen wesentlich mehr Patienten den Zustand des „Forgotten Joint“ als mit der konventionellen Technik, bei der mehr Weichteile verletzt werden, die Patienten häufiger Blutergüsse bekommen und oftmals keine perfekte Stabilität des Gelenks erreicht wird. Das Spezialisten-Team in Hameln hat sich bereits bundesweit einen Namen gemacht und die international entwickelte Methode noch einmal verbessert. Die Sana-Experten bilden mittlerweile Mediziner darin aus.
Mit Rapid Recovery zum Erfolg
Das Rapid Recovery Konzept wurde von Zimmer Biomet standardisiert und spielt vor allem in der Orthopädie und Unfallchirurgie eine wichtige Rolle. Der Schwerpunkt liegt auf der Knie- und Hüftendoprothetik. Der Ansatz ist wissenschaftlich fundiert und kombiniert die Prinzipien der Fast-Track Chirurgie – einem Konzept zur schnelleren und komplikationsärmeren Genesung nach einer OP – mit der aktiven Einbindung der Patienten. Der Leiter des zertifizierten Endoprothetikzentrums in Hameln weiß: „Durch Rapid Recovery verbessern sich die Operationsergebnisse enorm, die Qualität der Behandlung ist sehr gut und die Patienten sind nach dem Eingriff schneller wieder fit. Außerdem kommt es zu weniger Komplikationen.“
Ziel der Rapid Recovery Methode ist die frühestmögliche Mobilisierung der Patienten nach orthopädischen Operationen wie der Implantation eines künstlichen Gelenks. Zur Effektivität des Konzeptes gibt es verschiedene wissenschaftliche Studien, die unter anderem zeigen, dass sich die Lebensqualität verbessert, die Schmerzen nach der Entlassung zurückgehen, die Sterblichkeit gering ist und sich die Ergebnisse im Hinblick auf die Funktionsfähigkeit im Alltag verbessern. Neben den vielen positiven Effekten auf die klinischen Ergebnisse steigt nachweislich auch die Patientenzufriedenheit.
Kernbestandteile des Konzepts:
- intensive Vorbereitung auf die Operation mit detaillierten Informationen
- Besprechung der Möglichkeiten nach dem Aufenthalt im Krankenhaus
- Patienten, die am selben Tag operiert werden, durchlaufen das Programm als Gruppe und können sich gegenseitig unterstützen
- Schmerzmanagement
- frühestmögliche Mobilisation und Anleitung zum eigenständigen Üben
- Entlassung nach Hause beziehungsweise in die Nachsorge anhand definierter Kriterien
„Ja“ zu Sport mit künstlichem Knie- und Hüftgelenk
Früher war die Fachwelt noch der Meinung, dass Patienten mit einem künstlichen Gelenk ihr Leben lang aufpassen müssten und sich gar nicht oder nur sehr zurückhaltend sportlich betätigen dürften. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Die meisten Sportarten können nach der Reha mit dem künstlichen Gelenk auch ausgeübt werde. Einzige Einschränkung: Von Sportarten mit hoher Sturz- und Verletzungsgefahr ist abzuraten. „Niemand muss sich wegen eines künstlichen Gelenks schonen. Im Gegenteil, wir motivieren die Patienten ausdrücklich zu Aktivität und Sport, denn das trägt zu einem positiven Lebensgefühl und einer besseren Lebensqualität bei“, erklärt der Orthopäde und Unfallchirurg.
Mehr Informationen zur Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Sana Klinikum Hameln-Pyrmont
Mit zwei künstlichen Kniegelenken über die Alpen
Horst Müller-Wülcknitz ist 73 Jahre alt und hat gleich zwei Knieendoprothesen auf einmal bekommen. Neun Monate nach dem beidseitigen, simultanen Eingriff radelt er mal eben in sechs Tagen über die Alpen (420 km Strecke / 5.000 Höhenmeter). Mit Horst Müller-Wücknitz und Stefan Hankemeier gibt es einen Podcast von “Gesund nachgefragt” für die Gesundheitsregion Hameln-Pyrmont: Vom OP-Tisch zum Berggipfel: Ein Erfahrungsbericht
Mit künstlichem Hüftgelenk zum olympischen Triathlon
Andreas Pusch ist knapp 51 Jahre alt. Zehn Jahre war er bereits nicht mehr in der Lage, Laufsport auszuüben. Das Problem bei ihm war eine schwere Arthrose aufgrund einer angeborenen Hüftfehlstellung. Bereits ein Jahr nach Hüftgelenksersatz absolviert er einen olympischen Triathlon (1.5 km Schwimmen / 40 km Radfahren / 10 km Laufen).