Sie sind keine Baustelle, sondern nur im Umbau!
Wenn man gemeinsam über etwas lachen kann, erträgt es sich viel leichter. Und so wurde am Sana Klinikum Hof jüngst über Wechseljahresbeschwerden gelacht – die so viel mehr sein können als die viel beschworenen Hitzewallungen. Über 150 Frauen waren zu einem Vortragsabend mit dem Titel „Wenn der Körper Fragen stellt: Endometriose, Myome und Wechseljahre verstehen“ gekommen. Das zeigt: Der Bedarf an Informationen, aber auch an Möglichkeiten zum Austausch, war und ist groß.
Dr. Annett Feist, die neue Chefärztin der Frauenklinik, berichtete mit viel Humor von Schlafstörungen, Rastlosigkeit, Gereiztheit, Erschöpfung, Ängsten, Gedächtnisstörungen, Gewichtszunahme und -umverteilung – und stellte die Frage in den Raum, was die Natur sich dabei denkt, dass viele Frauen diese Symptome genau dann durchmachen, wenn ihre Kinder im Teenager-Alter sich ebenfalls in einem hormonellen Ausnahmezustand befinden und eine ähnlich kurze Zündschnur haben. Die Reaktionen aus dem Publikum zeigten: Viele der Besucherinnen wussten nur zu gut, wovon die Ärztin spricht.
Medizinisches Fachwissen und aufrichtiges Verständnis für die durchaus unangenehmen und ernsthaften Beschwerden kamen bei allem Humor nicht zu kurz. Dr. Annett Feist erklärte anschaulich, wie sich der Hormonhaushalt von Frauen verändert, lange bevor die Regelblutung ausbleibt: Der Progesteron-Spiegel sinkt, der Östrogen-Spiegel „fährt Achterbahn“. Das kann zu unterschiedlichsten Beschwerden führen – von Veränderung der Körperbehaarung und des Hautbildes über Gewichtszunahme, Schwindel und Schlafstörungen bis hin zu Gedächtnisstörungen, Ängsten oder depressiven Verstimmungen.
Wichtigste Botschaft: „Frauen nehmen diese Phase ganz unterschiedlich wahr.“ Einige wenige Frauen habe keinerlei Beschwerden, andere fühlen sich jahrelang in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigt. Für alle jedoch gilt: Die Wechseljahre bergen medizinische Risiken. Durch den sinkenden Östrogenspiegel steigt das Risiko für Bluthochdruck, Cholesterinerhöhung, Diabetes, koronare Herzkrankheit, Schlaganfall und Herzinfarkte. Zudem drohe ein Verlust an Knochendichte um bis zu 20 Prozent in den ersten fünf Jahren.
Was Frauen dagegen tun können? Gut auf ihren Körper hören und sich bewusst machen: „Medizin ist männlich.“ Dr. Feist berichtete, dass (und warum) für die meisten medizinischen Studien nur Männer als Probanden herangezogen werden. Bei Frauen verzerren die natürlichen Schwankungen durch den weiblichen Zyklus die Ergebnisse. Zudem befürchte man Komplikationen bei Schwangerschaften. Auch in der Ausbildung junger Mediziner liegt der Fokus häufig auf männlichen Patienten. Doch ein Herzinfarkt beispielsweise äußere sich bei Männern ganz anders als bei Frauen. So werde nicht nur ein Herzinfarkt bei Frauen statistisch viel später diagnostiziert als bei Männern. Auch Wechseljahresbeschwerden werden oft irrtümlich falsch diagnostiziert – als Depression oder Angststörung, als frühe Demenz, Schilddrüsenunterfunktion, Rheuma oder Reizdarm. „Ein Drittel der Frauen wartet über drei Jahre auf die korrekte Diagnose“, betonte die Chefärztin.
Ob – und wie – eine Behandlung von Wechseljahresbeschwerden erfolgen sollte, ist so individuell wie die Frauen selbst. Entscheidendes Kriterium sei die Lebensqualität: „Wann immer diese spürbar eingeschränkt ist, sollte man eingreifen.“ Ein Hormonstatus könne darüber nur begrenzt Auskunft geben: „Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl, nicht nur auf Blutwerte!“
Als fünf Säulen der Therapie nannte Dr. Feist Ernährung (wobei auf die Protein-Zufuhr, auf ausreichend Calcium und Vitamin D sowie reichlich Phytoöstrogene geachtet werden sollte), Bewegung, mentale Balance, Pflanzenheilkunde und Hormontherapie. Dabei war es ihr ein wichtiges Anliegen, den Besucherinnen die Angst vor einer Hormontherapie zu nehmen. Um die Jahrtausendwende habe eine fehlerhafte Studie für viel Verunsicherung gesorgt. Alle daraus resultierenden Warnhinweise seien mittlerweile aufgehoben, doch noch immer stehen viele Frauen der Hormontherapie skeptisch gegenüber. Dr. Feist betonte: „Wichtig ist die individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung – und das richtige Timing.“ Damit lassen sich nicht nur Beschwerden verringern, sondern beispielsweise auch Frakturen, Diabetes-Fälle und Darmkrebs-Erkrankungen verhindern. Wichtig sei es vor allem, bioidentische Hormone zu verwenden, die zwar oft aus Pflanzen gewonnen, aber im Labor so verändert werden, dass sie exakt der menschlichen Hormonstruktur entsprechen.
Die Chefärztin ermutigte die Besucherinnen, sich in dieser ganz besonderen Lebensphase ganz oben auf die eigene Prioritätenliste zu setzen und auch die positiven Aspekte nicht zu vergessen: „Sie sind keine Baustelle, sondern nur im Umbau“.
Mit Vorträgen zu zwei weiteren Themen, die ebenfalls viele Frauen betreffen, stellten sich schließlich noch die Leitende Oberärztin Katharina Meissner und Dr. Erika Vojik Ulmanova vor.
Dr. Meissner sprach über Myome, die häufigsten gutartigen Tumoren der Frau. Statistisch ist im Alter zwischen 40 und 50 Jahren jede zweite Frau in Deutschland betroffen. Die gute Nachricht: Weil viele Myome keine Beschwerden verursachen, sind längst nicht alle behandlungsbedürftig. „Die zentrale Frage ist nicht ,Habe ich ein Myom?‘, sondern „Macht mein Myom Probleme?‘“, erklärte die leitende Oberärztin. Dank moderner Medikamente und modernster minimalinvasiver Therapien können Myome häufig gut behandelt werden. Eine Entfernung der Gebärmutter sei nur noch in äußerst seltenen Fällen nötig. Patientinnen des Sana Klinikums stehen wegen der ausgezeichneten Expertise der radiologischen Abteilung rund um Professor Dr. Boris Radeleff Behandlungsmöglichkeiten offen, die an vielen anderen Kliniken nicht angeboten werden können.
Diese modernen Verfahren können teilweise auch bei Endometriose helfen, einer gutartigen chronisch-entzündlichen Erkrankung, von der viele Frauen betroffen sind, und die nicht nur schmerzhaft ist, sondern auch zu ungewollter Kinderlosigkeit führen kann. Wie Dr. Ulmanova erklärte, dauere es wegen der vielfältigen und diffusen Symptome auch hier oft lange, bis die richtige Diagnose gestellt ist.
Sowohl hormonelle Therapie als auch die Behandlung der schmerzhaften Symptome können betroffenen Frauen helfen. Manchmal sei auch eine Operation nötig, bei der der genaue Befund, das Alter der Patientin und auch die Frage, ob die Familienplanung schon abgeschlossen ist, eine wichtige Rolle spielen. Die Expertin betonte: „Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die nicht nur Therapie braucht, sondern ein Behandlungskonzept.“
Im Anschluss an die Vorträge nutzten die Frauen noch ausgiebig das Angebot der drei Ärztinnen, an kleinen Gesprächsinseln ihre persönlichen Fragen zu stellen und den Austausch zu suchen. Und so manche von Wechseljahresbeschwerden geplagte Besucherin rief sich wohl auch in den folgenden Tagen die abschließenden Worte von Dr. Annett Feist ins Gedächtnis: „Eine tolle Frau bleibt eine tolle Frau.“
Leitende Oberärztin Katharina Meissner, Dr. Annett Feist und Dr. Erika Vojik Ulmanova