Duisburg,
07
Juli
2026
|
10:08
Europe/Amsterdam

Weltallergietag (8.7.): Experte klärt über Risikofaktoren, Ursachen sowie Behandlungsmöglichkeiten auf und erläutert, worauf Betroffene achten müssen

Zusammenfassung
  • Allergien zählen zu chronischen Erkrankungen, von denen alle Altersgruppen betroffen sind. Typische Allergieauslöser (Allergene) sind Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Lebensmittel oder Medikamente.

  • Laut einer AOK-Umfrage aus April 2025 sind mehr als ein Drittel der Deutschen von einer ärztlich diagnostizierten Allergie betroffen – 59 Prozent (etwa 12 Millionen Menschen) leiden unter einer Pollenallergie.

  • Inzwischen lebt laut Robert-Koch-Institut (RKI) jedes fünfte Kind in Deutschland mit einer allergischen Erkrankung.

  • Dr. Akin Yildirim, Oberarzt der Klinik Pneumologie, Thorakale Onkologie und Beatmungsmedizin im Evangelischen Krankenhaus BETHESDA, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Dr. Akin Yildirim, Oberarzt der Klinik Pneumologie, Thorakale Onkologie und Beatmungsmedizin im Evangelischen Krankenhaus BETHESDA

Dr. Akin Yildirim, Oberarzt der Klinik Pneumologie, Thorakale Onkologie und Beatmungsmedizin im Evangelischen Krankenhaus BETHESDA

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Was ist eigentlich eine Allergie?

Dr. Akin Yildirim: „Eine Allergie ist eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Umweltstoffe, sogenannte Allergene. Sie kann Beschwerden an Augen, Nase, Haut oder den Atemwegen verursachen und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.“ 

Nehmen Sie einen Anstieg wahr? Und wenn ja, was sind die Ursachen?

Dr. Akin Yildirim: „Ja, eindeutig. Insbesondere Pollenallergien, allergisches Asthma und Hausstaubmilbenallergien nehmen seit Jahren zu. Verantwortlich sind unter anderem der Klimawandel mit längeren und intensiveren Pollensaisons, Luftschadstoffe, Veränderungen unseres Lebensstils sowie eine geringere natürliche mikrobielle Vielfalt, mit der unser Immunsystem heute in Kontakt kommt.“ 

Welche Allergien behandeln Sie besonders häufig?

Dr. Akin Yildirim: „Zu den häufigsten Erkrankungen zählen das allergische Asthma bronchiale, die allergische Rhinitis (Heuschnupfen), Hausstaubmilbenallergien, Insektengiftallergien sowie Medikamentenallergien.“

Ist diese Zunahme weltweit zu beobachten oder eher ein Problem der Industrieländer?

Dr. Akin Yildirim: „Besonders ausgeprägt ist die Entwicklung in industrialisierten Ländern. Insgesamt beobachten wir jedoch weltweit einen Anstieg allergischer Erkrankungen. Urbanisierung, Umweltbelastungen und veränderte Lebensbedingungen spielen hierbei eine wichtige Rolle.“

Sind bestimmte Altersgruppen stärker betroffen? Und wieso entwickeln manche Menschen überhaupt Allergien und andere nicht?

Dr. Akin Yildirim: „Allergien beginnen häufig bereits im Kindesalter, können jedoch in jedem Lebensalter erstmals auftreten. Entscheidend ist das Zusammenspiel genetischer Veranlagung und verschiedener Umweltfaktoren. Liegt eine familiäre Vorbelastung vor, steigt das persönliche Risiko deutlich.“

Kann man das Risiko senken?

Dr. Akin Yildirim: „Eine Allergie lässt sich nicht vollständig verhindern. Das Risiko kann jedoch durch Rauchverzicht, regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung sowie die Vermeidung unnötiger Luftschadstoffbelastungen reduziert werden. Ebenso wichtig ist es, erste Beschwerden frühzeitig ärztlich abklären zu lassen.“

Welche Folgen haben Allergien?

Dr. Akin Yildirim: „Allergien können die Lebensqualität erheblich einschränken. Neben Beschwerden an Augen, Nase und Haut leiden viele Betroffene unter Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen und verminderter Leistungsfähigkeit. Unbehandelte Allergien können zudem in ein allergisches Asthma übergehen.

Welche Tests gibt es?

Dr. Akin Yildirim: „Grundlage sind eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung. Ergänzend kommen Hauttests (Pricktest), Blutuntersuchungen, moderne Lungenfunktionsdiagnostik sowie – insbesondere bei Asthma – FeNO-Messungen und gegebenenfalls Provokationstests zum Einsatz.“

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Dr. Akin Yildirim: „Die Behandlung richtet sich nach Art und Schwere der Allergie. Sie umfasst unter anderem Allergenkarenz, Antihistaminika, moderne inhalative Therapien sowie die spezifische Immuntherapie, die sogenannte Hyposensibilisierung) Ziel ist nicht nur die Linderung der Beschwerden, sondern möglichst auch die Verhinderung einer Krankheitsprogression.“

Gibt es neue Entwicklungen bei der Therapie?

Dr. Akin Yildirim: „Ja. Neben einer immer präziseren Diagnostik haben insbesondere moderne Biologika die Behandlung schwerer allergischer Erkrankungen und des schweren Asthmas in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Die Therapie wird zunehmend individuell auf den einzelnen Patienten abgestimmt.“

Wann sollte man Beschwerden abklären lassen und welche Warnsignale werden häufig unterschätzt?

Dr. Akin Yildirim: „Beschwerden wie wiederkehrender Husten, Belastungsatemnot, pfeifende Atmung oder länger anhaltender Heuschnupfen sollten ärztlich abgeklärt werden. Gerade chronischer Husten wird häufig unterschätzt und nicht sofort mit einer allergischen Erkrankung oder einem Asthma in Verbindung gebracht.“

Welche Angebote gibt es im Evangelischen Krankenhaus BETHESDA?

Dr. Akin Yildirim: „Wir bieten das gesamte Spektrum der modernen allergologischen und pneumologischen Diagnostik an – von der ausführlichen Allergiediagnostik über Hauttests, Lungenfunktionsdiagnostik und FeNO-Messung bis hin zur Asthma- und Differenzialdiagnostik. Darauf aufbauend erstellen wir individuelle Therapiekonzepte einschließlich spezifischer Immuntherapie in geeigneten Fällen.“ 

Welche Angebote gibt es für Kinder?

Dr. Akin Yildirim: „Für Kinder und Jugendliche gibt es in den Sana Kliniken Duisburg am Standort Wedau eine spezialisierte pneumologische Sprechstunde mit allergologischer Basisdiagnostik und Behandlung allergischer Atemwegserkrankungen. Zwischen der Kinder- und Erwachsenenpneumologie besteht dabei eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit.“

Vielen Dank für das Gespräch!

Über die Sana Kliniken Duisburg

Die Sana Kliniken Duisburg sind ein Krankenhaus der Maximalversorgung und behandeln jährlich zirka 22.000 stationäre Patientinnen und Patienten. Weitere rund 60.000 Patienten werden ambulant versorgt. Das Klinikum verfügt über 17 Fachabteilungen, drei Institute und ein angeschlossenes Ärztezentrum sowie 550 Betten und beschäftigt 1.600 Mitarbeitende. Träger ist zu 99 Prozent die Sana Kliniken AG und zu einem Prozent die Stadt Duisburg.

Über die Sana Kliniken AG