
Wenn Elisabeth Laumann erzählt, wo sie arbeitet, bekommt sie oft dieselbe Reaktion: „Ah, Krankenschwester?“
Dabei liegt ihr Arbeitsplatz nicht am Patientenbett, sondern mitten im technischen Herz eines Krankenhauses.
Als Projektmanagerin für Technische Gebäudeausrüstung (TGA) bei der Sana TGmed GmbH sorgt sie dafür, dass genau die Infrastruktur funktioniert, die Patienten normalerweise nie zu Gesicht bekommen. Sie verantwortet Projekte rund um den Austausch medizinischer Großgeräte wie MRT oder CT und begleitet komplexe Umbauten im OP- und Intensivbereich.
„Wir kümmern uns um die Dinge, die im Hintergrund laufen – von Elektro- über Lüftungstechnik bis hin zu baulichen Anpassungen“, beschreibt sie ihre Arbeit. Dass diese Aufgaben so wenig sichtbar sind, macht sie nicht weniger entscheidend. Im Gegenteil: Ohne funktionierende Technik kann moderne Medizin nicht stattfinden.
Besonders anspruchsvoll sind Projekte, bei denen medizinische Großgeräte ausgetauscht werden. Jeder Tag Stillstand bedeutet nicht nur Kosten, sondern auch Einschränkungen für Patienten.
Elisabeth arbeitet daher mit minutiösen Zeitplänen, koordiniert verschiedene Gewerke und plant selbst unvorhersehbare Ereignisse möglichst im Voraus ein. Dabei finden Umbauten häufig im laufenden Klinikbetrieb statt – manchmal nur durch eine Staubschutzwand vom OP-Geschehen getrennt.
„Wir müssen dafür sorgen, dass andere Bereiche parallel weiterarbeiten können“, erklärt sie. Selbst scheinbar kleine bauliche Veränderungen können Auswirkungen auf ganze Stationen haben. Genau diese Komplexität macht für sie den Reiz aus.
Einen typischen Arbeitstag gibt es für Elisabeth nicht. Jeder Morgen bringt neue Anforderungen, neue Abstimmungen, manchmal auch unerwartete Herausforderungen.
Gerade diese Dynamik motiviert sie. „Bei eintönigen Arbeitstagen wird es mir schnell langweilig“, sagt sie offen.
Ihr Alltag ist geprägt von enger Zusammenarbeit zwischen Technik, Medizin und Betrieb. Ziel ist es, Lösungen zu schaffen, die technisch korrekt sind und gleichzeitig im Klinikalltag funktionieren.
Ein besonders prägendes Projekt war für Elisabeth der Umbau eines bestehenden Operationssaals zu einem Hybrid-OP. Während nebenan weiter operiert wurde, wurde der Raum nahezu vollständig zurückgebaut und neu aufgebaut.
Das Ergebnis: ein hochmoderner OP, der minimalinvasive Eingriffe mit gleichzeitigem bildgebendem Verfahren ermöglicht. Für Patienten bedeutet das geringere Risiken und bessere Heilungsverläufe.
Solche Momente zeigen ihr immer wieder, warum technische Projekte im Krankenhaus weit mehr sind als Bauvorhaben. Sie beeinflussen direkt die Qualität medizinischer Versorgung.
Viele Menschen verbinden Krankenhäuser ausschließlich mit Pflege und Medizin. Für Elisabeth ist genau der technische Hintergrund besonders spannend.
„Wir lernen das Krankenhaus bis in die letzten Winkel kennen“, beschreibt sie. Technik, Reinigung, Medizintechnik – all diese Bereiche bilden die Grundlage dafür, dass Versorgung überhaupt möglich ist.
Mit jedem Projekt trägt sie dazu bei, Abläufe effizienter zu gestalten und medizinische Standards weiterzuentwickeln.
Auch technologisch befindet sich die technische Gebäudeausrüstung im Wandel. Künstliche Intelligenz, Building Information Modeling (eine digitale Methode zur Planung, Umsetzung und Bewirtschaftung von Gebäuden) und Smart-Hospital-Konzepte verändern Planung und Betrieb.
Digitale Modelle helfen, Konflikte frühzeitig zu erkennen. Sensordaten können Ausfälle prognostizieren. Smarte Gebäudeprozesse werden künftig immer stärker Teil des Klinikalltags sein.
Für Elisabeth bedeutet das vor allem eines: Lernen hört nie auf.
Die TGA-Welt ist bis heute stark männlich geprägt. In ihren ersten Jahren als Projektleiterin arbeitete Elisabeth nur mit wenigen Frauen zusammen.
Für sie persönlich war das kein Nachteil – im Gegenteil. Sie erlebte meist großen Respekt für ihre Rolle. Gleichzeitig ist sie überzeugt, dass gemischte Teams die Branche weiterbringen würden.
Mehr Frauen würden unterschiedliche Kommunikationsstile einbringen, neue Perspektiven eröffnen und dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Vor allem aber könnte die Branche insgesamt attraktiver für Nachwuchs werden.
„Am Ende kommt es nicht auf das Geschlecht an, sondern auf Offenheit, Interesse und den respektvollen Umgang miteinander.“
Sich in technischen Projekten durchzusetzen erfordert Fachwissen – aber auch die Bereitschaft, ständig dazuzulernen. Elisabeth lässt sich Abläufe erklären, stellt Fragen und entwickelt sich mit jedem Projekt weiter.
Anfangs hatte sie Sorge, in einem männerdominierten Umfeld nicht ernst genommen zu werden. Offenheit und Interesse an den Arbeitsprozessen führten jedoch schnell zu vertrauensvoller Zusammenarbeit.
Heute weiß sie: Kompetenz entsteht durch Erfahrung – und durch den Mut, sich auf neue Situationen einzulassen.
Ihr eigener Karriereweg verlief alles andere als geradlinig. Mehrere Krankenhausaufenthalte in der Jugend weckten früh Interesse für das Gesundheitswesen. Nach einem FSJ in der Pflege folgten Ausbildung, Studium im Bereich Medizinisches Management und schließlich der Einstieg in Projekte rund um Medizintechnik und Bau.
Der entscheidende Schritt entstand aus einer Chance: ein erstes MRT-Projekt, das erfolgreich umgesetzt wurde. Daraus entwickelte sich ihre heutige Rolle.
„Es wirkt fast so, als hätte mich das Leben selbst in diesen Beruf geführt“, sagt sie rückblickend.
Ihre Erfahrungen als Patientin und aus der Pflege prägen ihre Arbeit bis heute. Sie achtet darauf, Wege verständlich zu gestalten, Wartezeiten zu berücksichtigen und Projekte so umzusetzen, dass Patienten möglichst wenig beeinträchtigt werden.
Technik bleibt damit nicht abstrakt, sondern hat immer einen direkten Bezug zum Menschen.
Für junge Menschen, besonders für junge Frauen, sieht Elisabeth große Chancen im technischen Bereich des Gesundheitswesens. Neugier, Lernbereitschaft, Respekt vor Erfahrung und Selbstvertrauen seien entscheidend.
Technische Berufe im Krankenhaus bieten Entwicklungsmöglichkeiten, Verantwortung und einen direkten Beitrag zur Patientenversorgung – auch wenn dieser Beitrag oft unsichtbar bleibt.