Hürth,
15
Oktober
2026
|
19:58
Europe/Amsterdam

Der Agent fürs Herz: Hürther Pilotprojekt zu einer KI-gestützten Notfallversorgung geht an den Start

Kann Künstliche Intelligenz helfen, die Versorgung von Menschen bei einem Notfall zu verbessern? Am Beispiel der akuten Herz- oder Niereninsuffizienz soll das Hürther Pilotprojekt „Kardio Agent“ ab 2027 hierauf Antworten geben. Partner des Projekts sind das Sana-Krankenhaus Hürth und die Feuerwehr Hürth sowie die Telekomtochter T-Systems und das Fraunhofer-Institut IAIS mit Sitz in St. Augustin.

Strategisch angestoßen wurde das wegweisende Projekt von Hannah Kador, Geschäftsführerin der Sana-Krankenhäuser Hürth und Köln. „Mit dem ‚Kardio Agent‘ wollen wir eine messbare Verbesserung in der präklinischen Versorgung erzielen. Wenn wir durch smarte Datenverknüpfung die Zuweisungsqualität steigern, entlasten wir unsere Notaufnahmen und sichern den Patienten eine noch schnellere, passgenaue Therapie“, sagt Kador. 

 

Hannah Kador, Geschäftsführerin Sana-Krankenhaus Hürth & Sana Dreifaltigkeits-Krankenhaus Köln

 

Entwickelt wurde die Idee auf dem Innovationscampus für Künstliche Intelligenz „AI Village“ in Hürth. Die medizinische Leitung und Umsetzung des Projekts hat Prof. Dr. med. Gisbert Knichwitz übernommen. Die Erkenntnisse aus Hürth könnten Auswirkungen für die Notfallversorgung in ganz Deutschland haben.

Kardio Agent wertet verknüpfte Daten aus

Im Notfall kann jede Minute den Unterschied ausmachen, die ein Rettungsteam eher beim Patienten eintrifft. In Zeiten von Künstlicher Intelligenz (KI, englisch: AI) ist das aber längst nicht mehr die ganze Wahrheit. Auch jede Minute, die ein Notarzt und die Leitstelle des Rettungsdienstes früher als bislang valide Informationen über die tatsächliche Krankheitsschwere und die sich daraus ableitende Versorgungsnotwendigkeit gewinnen, kann entscheidend sein. Handelt es sich um eine aus medizinischer Perspektive vergleichsweise kleine Krise, die bereits mit Eintreffen des Rettungsteams und der anschließenden Aufnahme in ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung gut behandelbar ist? Oder handelt es sich womöglich um einen Notfall, der eine Behandlung in einem Krankenhaus höherer Versorgungsstufe bis hin zur Maximalversorgung notwendig macht?

 

Prof. Dr. Gisbert Knichwitz

 

„Technisch – und mit KI-Unterstützung – ist eine frühzeitige Analyse der Notfallschwere im Rettungswagen schon heute möglich. So kann KI aus einem 12-Kanal-EKG nicht nur Informationen zu Herzrhythmusstörungen oder Herzinfarkt auslesen, sondern auch Hinweise auf eine Herzinsuffizienz oder Niereninsuffizienz liefern“, sagt Professor Dr. med. Gisbert Knichwitz, MBA. Er ist Chefarzt der Anästhesiologischen Abteilung des Sana-Krankenhauses Hürth. Im Verbund von bundesweit insgesamt 50 Sana-Kliniken leitet er zudem die Fachgruppe Anästhesie und Intensivmedizin. „Die Daten können mit dem Tele-Notarzt-System in die Leitstelle übermittelt werden. Das Problem bisher: Am Einsatzort des Notarztes kann die elektronische Gesundheitskarte des Patienten derzeit nicht eingelesen werden. Damit stehen im Notfall möglicherweise aufschlussreiche Informationen über die Vorgeschichte des Patienten erst im Krankenhaus zur Verfügung.“

Diese zeitliche Informationslücke soll mit dem Kardio Agent geschlossen werden, wie Professor Knichwitz und Dr. Alexander Opitz vom AI-Village auf dem 5. Hürther Wirtschaftstag am Mittwoch, 14. Oktober im Bürgerhaus der Stadt erläuterten. Kardio ist lateinisch und bedeutet „das Herz betreffend“. Die Idee hinter Kardio Agent: Können die Daten aus dem Rettungswagen und aus der elektronischen Gesundheitsakte (verschriebene Medikamente, vorherige medizinische Kontakte) miteinander verknüpft und von einer KI analysiert werden, kann der Notarzt noch im Rettungswagen entscheiden, welches Versorgungsniveau notwendig ist. Welche geeignete Klinik Kapazitäten frei hat, wird derweil in der Leitstelle mittels der Meldeplattform für Versorgungskapazitäten IG.NRW ermittelt. Professor Knichwitz: „Der Kardio Agent soll in diesem Sinne eine innovative Lösung für die Verbesserung der Notfallversorgung durch KI-basierte Entscheidungsunterstützung anbieten.“

 

5. Hürther Wirtschaftstag 2026: Professor Dr. Gisbert Knichwitz (vorn) und Dr.  Alexander Opitz

 

 

Für das Projekt wurde beim Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen ein Fördermittelantrag gestellt. Mit der Genehmigung wird das auf drei Jahre ausgelegte Projekt starten. Für seine Strategie zur Einführung eines KI-basierten Patientendatenmanagementsystems auf seiner Intensivstation erhielt das Sana-Krankenhaus Hürth im Jahr 2025 den German Medical Award. 

Mit Kardio Agent möchten Hannah Kador und Professor Knichwitz nun gemeinsam mit den Projektpartnern den nächsten digitalen Meilenstein setzen – für Hürth und im Idealfall für ganz Deutschland.

Über das Sana-Krankenhaus Hürth

Das Sana-Krankenhaus Hürth ist ein hochmodernes Haus der gehobenen Grund- und Regelversorgung in der Metropolregion Köln-Bonn, das die medizinische Versorgung der Bevölkerung in Hürth und dem Rhein-Erft-Kreis mit seinen Fachabteilungen für Innere Medizin, Chirurgie und Anästhesie sicherstellt. Rund 350 hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich jährlich um über 20.000 Patientinnen und Patienten im stationären und ambulanten Bereich.

Das Hürther Krankenhaus wurde 1984 durch Sana übernommen und war damals deutschlandweit das erste kommunale Haus, das privatisiert wurde. Die Übernahme war mit einer mindestens 20-jährigen Bestandszusage verbunden. Seitdem wurde das Sana-Krankenhaus Hürth mehrfach erweitert, saniert und medizintechnisch modernisiert. So eröffnete in diesem Jahr im Herz- und Gefäßzentrum des Rhein-Erft-Kreises in der Klinik ein zweites, sogenanntes Hybrid-Herzkatheterlabor mit OP-Standard. Mit seinen zukunftsfähigen Voraussetzungen für die qualifizierte medizinische Versorgung der Bevölkerung gewinnt das Sana-Krankenhaus Hürth auch damit zunehmend an Bedeutung für die gesamte Region.

Über die Sana Kliniken AG