
Manche Karrierewege entstehen nicht aus einem lange gehegten Berufswunsch. Manchmal entdeckt man erst im Arbeitsalltag ein Berufsfeld, von dem man vorher kaum wusste, dass es überhaupt existiert. Bei Annett Fischer war es genau so.
Nach dem Abitur absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Röntgenassistentin und arbeitete anschließend als MTRA im Städtischen Klinikum Görlitz. Dort begegneten ihr regelmäßig Kollegen aus der Medizintechnik. Sie erlebte, wie eng deren Arbeit mit dem klinischen Alltag verbunden ist und welchen Einfluss funktionierende Technik auf eine sichere Diagnostik und Behandlung hat.
Je mehr sie darüber erfuhr, desto größer wurde ihr Interesse. „In den Gesprächen über das Berufsbild und das Studium war für mich dann ziemlich klar: Das möchte ich auch machen.“
Nach rund zwei Jahren Berufserfahrung entschied sie sich für ein duales Studium der Medizintechnik an der BA Bautzen. Ihr erster Praxispartner war das Oberlausitz Klinikum Bautzen. Dort arbeitete sie eng mit einer Medizintechnikerin zusammen, die später die Leitung Medizintechnik im Lausitzer Seenland Klinikum übernahm. Sie förderte Annett, ermutigte sie, Verantwortung zu übernehmen, und holte sie schließlich ins Technische Büro nach Hoyerswerda. Damit begann 2014 Annetts Weg bei Sana.
Heute ist Annett 38 Jahre alt, Diplom-Ingenieurin für Medizintechnik und Clusterleitung C6 bei der Sana Medizintechnisches Servicezentrum GmbH. Sie verantwortet die Medizintechnik an den Standorten Hoyerswerda, Senftenberg und Lauchhammer. Dazu gehören die Planung, der sichere Betrieb und die Instandhaltung medizintechnischer Geräte ebenso wie Prüfungen, Wartungen, Reparaturen und das Gerätemanagement. Auch Investitions- und Budgetplanung liegen in ihrem Verantwortungsbereich.
Doch was macht eigentlich ein Medizintechniker?
Annett hat darauf eine erstaunlich einfache Antwort: „Technik am Menschen.“ Gemeint ist all das, was in Krankenhäusern und Praxen technisch dafür sorgt, dass Diagnostik und Therapie sicher funktionieren.
Dabei zieht sie einen Vergleich, der ihr Berufsfeld sehr anschaulich macht: „Wir Medizintechniker sind ein Stück weit die Geräteärzte im Hintergrund.“
Tatsächlich gibt es Parallelen. Medizintechnische Geräte werden regelmäßig geprüft und inspiziert, gewartet und bei Bedarf instandgesetzt. Zeigt ein Gerät „Symptome“, beginnt die Fehlersuche: Wo liegt die Ursache? Wie kritisch ist die Störung für den klinischen Betrieb? Kann das Gerät repariert werden oder muss es außer Betrieb genommen und möglicherweise ersetzt werden?
Dabei reicht es nicht, dass ein Gerät einfach nur funktioniert. „Es geht nicht nur um Technik reparieren, sondern immer um Patientensicherheit und Verfügbarkeit“, betont Annett. Ein Gerät müsse korrekt messen, zuverlässig arbeiten und sämtliche gesetzlichen Vorgaben erfüllen.
Genau diese Verbindung begeistert sie bis heute. Medizintechnik vereint technisches Verständnis mit Verantwortung und einem ganz konkreten Nutzen für Menschen. Auch wenn ihre Arbeit häufig im Hintergrund stattfindet, sind ihre Auswirkungen unmittelbar im Klinikalltag spürbar. Wenn Geräte zuverlässig funktionieren, kann Diagnostik stattfinden, Therapien können sicher durchgeführt werden und Ärzte sowie Pflegekräfte können sich auf die Technik verlassen.
Routine? Gibt es durchaus. Einen wirklich vorhersehbaren Arbeitstag dagegen eher selten.
Gerade wenn mehrere technische Störungen gleichzeitig auftreten, zeigt sich, wie wichtig Vertrauen innerhalb des Teams ist. Welche Störung muss sofort behoben werden? Was lässt sich planen? Welche Auswirkungen hat ein Ausfall auf den Klinikbetrieb?
Da Annett für mehrere Standorte verantwortlich ist, kann sie nicht überall gleichzeitig vor Ort sein. Die Medizintechniker müssen deshalb selbst einschätzen können, was Priorität hat und welche Lösung vor Ort sinnvoll ist. Annett vertraut darauf, dass ihr Team diese Entscheidungen eigenständig trifft. Bei Unklarheiten oder unterschiedlichen Einschätzungen wird sie hinzugezogen – und die Entscheidung im besten Fall gemeinsam getroffen.
Für sie gehört deshalb auch „echte Detektivarbeit“ zum Beruf. Fehlerbilder müssen verstanden, Ursachen eingegrenzt und Lösungen gefunden werden, die nicht nur technisch funktionieren, sondern auch zum Klinikalltag passen.
Hinzu kommt, dass moderne Medizintechnik längst nicht mehr isoliert betrachtet werden kann. Geräte sind zunehmend miteinander vernetzt, kommunizieren über Schnittstellen und hängen von Software und Updates ab. Damit wachsen auch die Berührungspunkte mit anderen Bereichen.
Im Alltag arbeitet die Medizintechnik deshalb eng mit Ärzten, Pflege, MTRA, IT, Haustechnik, Einkauf, Klinikleitungen, Herstellern und externen Dienstleistern zusammen. „Nur wenn alles Hand in Hand läuft, sind die Geräte verfügbar und sicher und der Betrieb bleibt stabil“, sagt Annett.
Gerade unter Zeitdruck ist diese Zusammenarbeit nicht immer einfach. Wenn ein wichtiges Gerät ausfällt, steigt verständlicherweise die Anspannung in den klinischen Bereichen. Auch damit müsse man umgehen können. Neben technischem Verständnis brauche es deshalb Kommunikationsfähigkeit, Stressresistenz und die Fähigkeit, Probleme strukturiert zu lösen.
Nach ihrem dualen Studium wurde Annett ins Technische Büro übernommen. Dort arbeitete sie im operativen Tagesgeschäft, führte Geräte- und Konstanzprüfungen durch und verantwortete die Röntgentechnik. Aufgrund ihrer Vorerfahrung wurde sie außerdem früh zur Strahlenschutzbeauftragten für die Sana MTSZ berufen.
Später wechselte sie ins Servicezentrum und arbeitete als mobile Servicetechnikerin. Rückblickend war gerade dieser Schritt für ihre weitere Entwicklung besonders wertvoll. Statt nur einen Standort zu kennen, arbeitete sie nun standortübergreifend und lernte unterschiedliche Teams, Prozesse und Anforderungen kennen.
Davon profitiert sie heute. Sie kann Störungen schneller einordnen und priorisieren, Unterschiede zwischen Standorten erkennen und Erfahrungen übertragen. Vor allem habe sie gelernt, wie wichtig klare Kommunikation mit den unterschiedlichen Berufsgruppen im Krankenhaus ist.
Seit März 2026 trägt sie als Clusterleitung C6 die Verantwortung für die Medizintechnik des Lausitzer Seenland Klinikums sowie der Sana Kliniken Niederlausitz mit den Standorten Senftenberg und Lauchhammer.
Dass sie einmal eine Führungsposition übernehmen würde, war zu Beginn ihrer Karriere keineswegs ihr erklärtes Ziel. „Ich wollte erst einmal lernen und eine richtig gute Medizintechnikerin werden“, erzählt sie. Erst während ihrer Jahre im Servicezentrum wuchs der Wunsch, sich nicht nur fachlich weiterzuentwickeln, sondern auch Verantwortung zu übernehmen, Themen voranzutreiben und andere mitzunehmen. Irgendwann war für sie klar: Führung ist der nächste Schritt.
Mit ihrer neuen Rolle hat sich auch Annetts Arbeitsalltag verändert. Heute geht es nicht mehr allein darum, technische Probleme selbst zu lösen. Sie muss Entscheidungen treffen, Aufgaben priorisieren, Verantwortung abgeben und ihre Teams an mehreren Standorten zusammenbringen.
Ihr Führungsverständnis bringt sie in fünf Worten auf den Punkt: „Klar sein und dranbleiben.“
Für Annett bedeutet das, deutlich zu sagen, was wichtig ist und welche Prioritäten gelten. Gleichzeitig möchte sie erreichbar sein, regelmäßig an den Standorten vorbeischauen und zuhören. „Ich vertraue den Leuten und gebe Verantwortung ab. Wenn es schwierig wird, unterstütze ich und treffe Entscheidungen.“
Dass sie ihre neue Rolle nicht als Einbahnstraße versteht, zeigt sich auch bei den Veränderungen, die sie bereits angestoßen hat. Bevor sie Abläufe in den technischen Büros angepasst hat, wollte sie verstehen, wo im Alltag tatsächlich Probleme entstehen. Deshalb nahm sie sich bewusst Zeit für die Perspektive ihrer Mitarbeiter und suchte gemeinsam mit ihnen nach praktischen Lösungen. Einige davon sind bereits umgesetzt, andere befinden sich noch in Arbeit.
Gerade dieses gemeinsame Gestalten motiviert sie. Unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven führen aus ihrer Sicht häufig zu den besten Lösungen.
Technische Berufe gelten noch immer häufig als Männerdomäne. Annett selbst hat das in ihrer Laufbahn allerdings nie als Hindernis erlebt.
„Weder bei Sana noch in meiner gesamten Laufbahn als Medizintechnikerin hatte ich jemals das Gefühl, anders behandelt zu werden, nur weil ich eine Frau bin.“ Im Gegenteil: Gemischte Teams empfindet sie als Bereicherung, weil unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen zusammenkommen.
Gleichzeitig beobachtet sie, dass sich inzwischen mehr Frauen für die Medizintechnik interessieren. Jungen Frauen, die mit einem technischen Beruf liebäugeln, möchte sie deshalb vor allem Mut machen: „Traut euch und lasst euch nicht von Klischees oder dem Gedanken ‚Das ist doch eher ein Männerberuf‘ bremsen. Wenn euch Technik interessiert, habt ihr dort genauso euren Platz.“
Ihr Rat ist dabei ganz praktisch: Praktika nutzen, Fragen stellen, neugierig bleiben und sich Menschen suchen, die unterstützen und fördern. Vor allem aber gehe es darum, dem eigenen Können zu vertrauen.
Stillstand würde ohnehin kaum zur Medizintechnik passen. Vernetzung und Digitalisierung verändern das Berufsfeld kontinuierlich. Immer mehr Geräte kommunizieren miteinander, Software, Updates und Schnittstellen gewinnen an Bedeutung und gleichzeitig bleiben die Anforderungen an Sicherheit und Zuverlässigkeit hoch.
Genau diese Entwicklung macht den Beruf für Annett auch für junge Menschen interessant. Ein Medizintechnikstudium führt längst nicht nur in ein Krankenhaus. Absolventen können bei Herstellern in Entwicklung und Produktion arbeiten, in die Forschung gehen, für Dienstleister tätig werden oder ganz nah am klinischen Alltag arbeiten.
Für Annett selbst war gerade diese Nähe zur Versorgung immer entscheidend. Ihre Arbeit findet zwar häufig hinter den Kulissen statt. Doch wenn eine Störung behoben ist, ein Gerät wieder zuverlässig arbeitet und Ärzte und Pflege ihre Arbeit fortsetzen können, wird sehr konkret sichtbar, wofür Medizintechnik gebraucht wird.
Annetts eigener Weg zeigt gleichzeitig, welche Entwicklung innerhalb eines Unternehmens möglich sein kann: vom dualen Studium über die operative Medizintechnik und die Verantwortung im Strahlenschutz bis zur mobilen Servicetechnikerin und schließlich zur Clusterleitung.
Dabei verlief nicht jeder Schritt völlig selbstverständlich. Auch Selbstzweifel kennt sie. Geholfen habe ihr, sich auf das zu konzentrieren, was sie selbst beeinflussen kann: Erfahrung sammeln, Schulungen nutzen, Feedback einholen und Verantwortung übernehmen. Und sich gelegentlich bewusst zu machen, was sie bereits geschafft hat.
Heute würde sie der BA-Studentin Annett deshalb vor allem einen Rat geben: „Vertraue mehr auf dich und dein Können. Du musst nicht alles sofort perfekt können.“ Fragen zu stellen, Verantwortung anzunehmen und die eigene Komfortzone zu verlassen, seien keine Zeichen dafür, noch nicht weit genug zu sein. Im Gegenteil: „Genau daran wächst du am meisten.“
In ihrer noch jungen Rolle als Clusterleitung möchte Annett diesen Weg weitergehen, Routine gewinnen und zunehmend sicherer in ihrer Verantwortung werden. Dass sie das weiterhin bei Sana tun möchte, hat für sie viel mit den Möglichkeiten der vergangenen Jahre zu tun. „Ich konnte neue Aufgaben übernehmen, an Verantwortung wachsen und meinen Weg im Unternehmen Schritt für Schritt ausbauen.“ Hinzu komme ein Miteinander, das ihr bis heute viel Freude an der Arbeit bereite.
Aus der MTRA, die irgendwann neugierig wurde, was die Medizintechniker eigentlich machen, ist so selbst eine Medizintechnikerin und schließlich Führungskraft geworden. Und der Kern ihrer Arbeit ist trotz aller Entwicklung derselbe geblieben: dafür zu sorgen, dass Technik dort zuverlässig funktioniert, wo Menschen sich auf sie verlassen müssen.
Oder, wie Annett es selbst auf den Punkt bringt: „Technik am Menschen.“